Alejandro Sanchez Nonett+1 – Schärfe einer Sekunde

23 Sekunde

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Catalog:
Audio CD (2006)
Label: Jazz4ever (SunnyMoon Distribution)
ASIN: B000ION5AK

Tracks:
01. Mit einem Fuss im Graben  6:48
02. Perfume de Tono  14:04
03. 6 09 83 52  8:18
04. Schärfe einer Sekunde  13:47
05. Rayos Y Centellas  4:53
06. Iguana on the rocks  10:39
07. Abdühl meets Pedro  6:61
08. The heart of a tomato  6:49
09. Ein Gekochtes Huhn mit Mayo  5:54

Musicans/Instrumentation:
Tilmann Ehrhorn – fl, ss
Uwe Steinmetz – as, ss, alto-fl
Alejandro Sánchez – ts, alarm-clock, comp
Steffen Schorn – b-cl, bs
Matthias Schriefl – tp, fl-h
Gerhard Gschlößl – tb
Rolf Langhans – p, Rhodes analog synth
Arne Jansen – g
Rodolfo Paccapelo – b
Oliver Steidle – dr

Notes:
Erst ist es nur ein Griff zu einer CD-Hülle. Das ist alltäglich und nicht weiter aufregend. Aber dann, dann passiert etwas. Dann ist da auf einmal diese Musik, die einen nicht mehr loslässt. Und sie hat einen fest im Griff. So revanchiert sich das Schicksal.

Da ist Musik zu hören, die sich nach und nach entwickelt. Aus einem ausgeklügelten Netz diszipliniert geführter Einzelstimmen setzt der argentinische Komponist Alejandro Sánchez seine Arrangements zusammen. Auf diese Weise webt er einen fein austarierten Klangteppich, der dem Zuhörer neue Räume erschließt.

Die Fäden, die er für seine Tauchfahrten ins Ungewisse in der Hand führt, heißen Klassik, Rock und Jazz und Jazz heißt auch das Ergebnis. Die Arrangements von Alejandro „Pucho“ Sánchez leben von den Brüchen. Die Mittel, mit denen er die Grenzen der Herkömmlichkeit überschreitet, sind neben kompositorischen Eigenleistungen romantische Anklänge, verzerrte rhods und kräftige riffs und grooves, die dem Rock der 1970er Jahre entlehnt sind. Da scheint sich eine romantisch gefärbte Melodie im Nirgendwo zu verlieren und dann dringt es in sie ein. Das Saxophon setzt ein und mischt die erste, schwebende Linie auf und nichts ist wie es vorher war. Es ist eine Aufforderung an den Zuhörer mitzugehen und neue Räume mit ihm zu betreten.

Wer ihn begleitet, findet sich in einem dicht strukturierten Mikrokosmos wieder, durch den man in andere Dimensionen hineingeschleudert wird. Aber in diesem Komplex arrangierten Molekülgewirr sich gegenseitig ergänzender Stimmen gibt es luftige Fluchten, in denen der Zuhörer gefragt ist, sie mit seiner Phantasie auszufüllen.

Hier ist ein Tüftler am Werk, der sich an seinen Kompositionen abarbeitet, für den Musik das Universum seiner Existenz ist und der nicht viel mehr zum Leben braucht. Für den Argentinier ist seine Arbeit ein Versprechen, das man nicht halten kann, weil Musik keine Schranken kennt, nie fertig ist und somit offen bleiben muss. Dieses Muss bedeutet für den Saxophonisten Reibung. Die gräbt er in die Töne seines Saxophons und brennt sie dem Zuhörer direkt ins Ohr. Seine Musik ist tiefsinnig, feinfühlig und vor allem eines – intensiv.

Dieser Klangkulisse kann man sich nur schwer entziehen. Wieso sollte man auch?